Behält Riepel recht?

Kategorie: Mediengesellschaft, Organisationskommunikation | Kein Kommentar

Heute habe ich meine Tageszeitung zu Hause gelassen. Stattdessen habe ich 20 Minuten Online auf mein iPhone geladen. Erwartet hatte ich kurze Infohäppchen. Erhalten habe ich diese auch, war aber dann doch überrascht, als ich mehr als nur einen Satz zu einem briefmarkengrossen Bild  erhielt. Das war zu Beginn so, erklärte Hansi Voigt, Chefredaktor 20 Minuten Online an einem Podiumsgespräch, organisiert von der RFZ. Heute würden sie «Hintergrundinformationen und Interviews» auf ihrer Online-Plattform publizieren. Gefunden habe ich vor allem einmal viel Werbung, aber hier und dort mal auch mehr zum Thema, vor allem in Form von Videoclips und dann die obligaten Bildstrecken. 20 Minuten Online sei die «moderne Rauchpause», meint Voigt. Tagsüber würden sie bei aussergewöhnlichen Geschehnissen markante Zugriffserhöhungen feststellen. Früher konnte 20min Online werben mit «wir sind die Schnellsten». Dies reiche heute nicht mehr. «Die Konkurrenz ist immer einen Klick weg».

Am RFZ-Podiumsgespräch vom 20. Januar diskutierten nebst Voigt Prof. Dr. Heinz Bonfadelli (IPMZ Universität Zürich) Karl Lüönd und Armin Walpen (Generaldirektor SRG SSR idée suisse. Diskutiert wurde darüber, ob Radio und Fernsehen in der heutigen Form schon bald Auslaufmodelle seien. Lüönd winkte ab: Das Riepelsche Gesetz besage, dass kein Medium ein altes ersetze, höchstens seine Funktion verändere. So würden auch die Tageszeitungen nicht verschwinden, gab er Entwarnung: «Man spricht seit 40 Jahren vom Tod der Zeitung, doch sie lebt immer noch».
Dem widerspricht Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht in der Sonntags-Zeitung: Tageszeitungen würden über kurz oder lang verschwinden – Riepls Gesetz hin oder her.

Überhaupt war die Runde sichtlich bemüht, die schwindende Beliebtheit von Fernsehen und Zeitung zugunsten von Online-Diensten zu relativieren. Armin Walpen: «Die SRG ist bestimmt kein Auslaufmodell» – um seine Aussage gleich selbst zu relativieren: «Also in fünf bis zehn Jahren wird sich nicht viel verändern.» – Tatsache ist, dass heute das Fernsehen noch Leitmedium für die ältere Generation ist, die jüngere orientiert sich stärker an Online-Medien.

Was ich auf 20 Minuten Online vermisst habe, sind die Regionalnachrichten. Dazu greife ich als Mittvierziger dann doch wieder auf den Regionalbund des Tages-Anzeiger zurück. Dort finde ich dann wieder all die Informationen über das Schul- und Vereinsleben in der Region, was die jüngere Generation wohl nicht sonderlich interessieren wird. Apropos Schulleben in der Zeitung: Gewöhnt haben wir uns an die zahlreichen Berichte über Schulfeste, Klassenlager etc. in der Regionalzeitung. Die «Online-Version» auf einer Schulhaus-Website ist aber immer noch nicht an allen Schulen üblich. Man stösst auf animierende «Fenster ins Schulleben (zum Beispiel hier). Und immer wieder treffe ich verwaiste Schulhaus-Websites an, zum Beispiel solche, welche die Schulsport-Ausschreibung vor drei Jahren präsentieren und ähnliche Greueltaten. Dabei ist eine gut gewartete Schulhaus-Website die Visitenkarte einer Schule. Riepel wird wohl auch hier recht behalten: Die Schulhaus-Website wird den Elternabend wohl nicht verdrängen, auch nicht den Elternbrief zum Schuljahres-Beginn. Wenn abonnierbare Newsletter und RSS-Feeds in vielen Organisationen aber geschätzes und anerkanntes Kommunikationsinstrument für Aktualitäten sind, darf sich die Schule dieser Entwicklung getrost auch anschliessen.

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