ILIAS Conference Utrecht zum Thema «Social Learning»

Kategorie: Bildungsmanagement, Hochschuldidaktik, Mediendidaktik, MOOC | Kein Kommentar

kaserne-utrecht-1Die diesjährige ILIAS Conference fand in Utrecht (NL) statt, für einmal nicht an einer Hochschule, sondern in einer veritablen Militärkaserne. Jedoch wäre die Architektur der Kaserne wohl glatt als diejenige eines modernen Hochschulneubaus durchgegangen (Foto). Seit heute sind die Konferenzbeiträge online verfügbar, Gelegenheit für einen Rückblick. Themenschwerpunkt der diesjährigen ILIAS-Konferenz war «Social Learning». – Soziales Lernen im LMS? – Dazu denkt mancher wohl zuerst an die grossen Social Media Player wie Facebook, Twitter, Whatsapp oder Clouddienste der Internetgiganten Google, Microsoft oder Apple. Der Besucher erhielt keine umfassende Aufarbeitung des Themas. Das war nicht zu erwarten, denn der Austausch über den Einsatz der Funktionen von ILIAS und dessen Weiterentwicklung standen im Vordergrund. Doch zumindest Anregungen erhielt man, weiter über das Thema «Social Learning» nachzudenken.

Lernmanagement-Systemen haftet seit geraumer Zeit der Vorwurf an, Lerninhalte «nur» systematisch abbilden zu können; der hohe Strukturierungsgrad wird kritisiert, Lernen könne bekanntlich nicht «gemanagt» werden. Und ja, das (holländische) Militär verwendet ILIAS. Hier in der Kaserne von Utrecht soll über «soziales Lernen» gesprochen werden. Dass militärische Ausbildung und soziales Lernen durchaus zusammengehören, weist der Eingangsredner dar; eher ein Grundsatzseminar zu «The Meaning of Social Learning», auch nicht wirklich flüssig präsentiert, aber doch ein wenig überraschend an diesem Ort, wo eher Drill vermutet würde (Oder ist das doch ein Vorurteil des Schreibers?).

Soziales Engagement, gepaart mit Online-Lernen
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Im Themenpanel «Kommunikation und Interaktion stärken» stellen drei Rednerinnen konkrete Anwendungsbeispiele mit ILIAS im Bereich des sozialen Lernens vor. Ein gelungenes Szenario von sozialem Lernen präsentiert Yvonne Seiler (Universität Bern) zum Thema «Als Coach Möglichkeiten schaffen». Sorgfältig führt Yvonne ins Thema ein: «Ein Coach bringt auf den Weg, gibt Hinweise, spornt an.» (Grafik links) Sie gibt in der Folge Einblick in das Sozialprojekt «Drahtesel»· (www.drahtesel.ch), welches sozial benachteiligten Menschen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll, mit Hilfe eines intensiven 1:1-Coachingprogramms und Schulung nach dem individuellen Bedarf für die Teilnehmenden, angeboten auf einer ILIAS-Plattform (www.leap.ch). Ein bewusst einfach gestaltetes Portal, um der Benutzergruppe gerecht zu werden (Screenshot unten).

Die Teilnehmenden bearbeiten online ausgewählte Weiterbildungsthemen nach Vereinbarung mit dem Coach, beispielsweise zum Vorgehen bei der Stellenbewerbung, Selbsttests zu Computer- oder Deutschkenntnissen mit entsprechenden Lernmodulen. Die Coaches fördern eine  hohe Eigenverantwortung. Die Teilnehmenden sollen die für sie passenden Angeboten auf der Schulungsplattform zu wählen, ohne bevormundende Aufträge, aber durch Einforderung eines persönlichen Commitments. Befreiend «untechnisch» zeigt sie die Herausforderungen auf, welches ein solches Sozialprojekt mit sich bringt, kein «managen», sondern echtes soziales Engagement. Ein gelungenes Beispiel für ein Lernarrangement im Bereich des sozialen Lernens: Soziale Interaktion findet nur punktuell auf der Lernplattform ILIAS statt – etwa durch das Online-Lernjournal der Teilnehmenden – wichtiger Bestandteil sind die persönlichen Coaching-Gespräche. Offenbar wird auf medienbasierte Coachingangebote verzichtet, wohl um der Zielgruppe zu entsprechen.

Soziale Interaktion gegen hohe Drop-Out-Quoten
Jeanette Kristin Weichsler vom Fraunhofer Institut präsentiert Massnahmen, wie sie die bislang hohe Drop-Out-Quote der Weiterbildung ihres Instituts mit Hilfe von interaktiven Angeboten auf ILIAS entgegnen will. Sie stützt sich dabei auf eine Untersuchung zum Drop-Out aus der Erwachsenenbildung von Bernhard Schmidt (2011) PDF, welche zeigt, dass insbesondere in Weiterbildungen, die ganz oder zu grossen Teilen onlinebasiert sind, ein Motivationsverlust beobachtet wird (was ja grundsätzlich nichts neues ist). Dieser wird von den Teilnehmenden mit geringem Praxisbezug, der Anonymität, wenigen Möglichkeiten zur Interaktion und mangelnder Betreuung begründet. Weichsler zeigt in ihrem Referat auf, wie durch die Auswahl von geeigneten Medien und einem zielgruppenorientierten Einsatz von ILIAS das Problem entschärft werden kann. Wer aber konkrete Empfehlungen für die Medienwahl erwartet hat, wurde enttäuscht. Dafür erhielt er Einblick in eine sorgfältig konzipierte Evaluation.

Gewöhnungsbedürftige Streamingplattform
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Die über zwanzig Referate sind erst nach mehreren Klicks übersichtlich verfügbar: Es gibt pro Konferenztag nur einen kompletten Stream mit jeweils sechsstündigen Streaming-Bandwürmern (!). Per Klick auf das markierte Icon im Player (Grafik links) kann eine Übersicht geöffnet werden, um die einzelnen Beiträgen auswählen zu können, es fehlen Hinweise, was anklickbar ist; nicht wirklich selbsterklärend. Die oben genannten Referate von Yvonne Seiler und Kristin Weichsler müssen also über im Stream über diese Übersicht angewählt werden.

Seitenblick auf MOOCS
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Die heutige Mail zu den nun verfügbaren Referaten der ILIAS-Konferenz liegt zufällig gleich neben dem Newsletter des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Uni St. Gallen unter der Leitung von Andrea Back. Sie weist darin auf einen lesenswerten Beitrag im Online-Magazin «Wired» hin zum Thema «What’s Wrong With MOOCs, and Why Aren’t They Changing the Game in Education? Harman Singh moniert die bekanntlich hohe Drop-Out-Quote bei MOOCS und stellt fest, ihnen fehle die soziale Interaktion. Am Beispiel WizIQ will er aufzeigen, dass es auch anders geht. Der Pferdefuss daran: Singh ist der CEO von WizIQ, einer Online-Lernplattform mit dem Slogan «Learning from Real People» … Das Problem der fehlenden Interaktion wird aber auch an anderen Orten beklagt und trifft wohl v.a. auf die xMOOCs (im Gegensatz zu den cMOOCs) zu, welche zuweilen zur «Lernfilmschleuder» mutieren. Die «gehypten» MOOCs scheinen demnach das den LMS angelastete Problem auch nicht bedingungslos zu lösen.

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