Information Overload: Sind die Internetdienste Schuld daran?

Kategorie: Mediengesellschaft | 3 Kommentare

«Spiegel Online» hat am 6.10. einen kritischen Artikel über Google Wave unter dem Titel «Das Netz hängt seine Benutzer ab» publiziert. – Google Wave ist eine Plattform (im Erprobungsstadium) welche erlaubt, in Echtzeit Fotos hochzuladen, zu chatten, Videos vorzuführen, Notizen abzulegen und so weiter. Und dies alles gleichzeitig. Das heisst, ich kann jeden Arbeitsschritt, jeden Vertipper der Mitglieder der «Wave» mitverfolgen.
google-wave-testUnd wenn eine weitere Person meiner «Wave» beiwohnen soll, füge ich diese Person einfach mit Drag&Drop hinzu. Die Benutzerinnen und Benutzer können gemeinsam und gleichzeitig an einem Projekt mit einer Vielzahl von Funktionalitäten arbeiten. Präsentation von Google Wave gekürzt Hier und ungekürzt Hier. Test-Accounts zu Google Wave vorerst nur auf Einladung. – Niemand habe auf einen solchen Mammut-Dienst gewartet, meint der Artikelschreiber. Wir hätten in erster Linie zu wenig Zeit und erst in zweiter Linie zu wenige Informationen. Was an und für sich nicht ganz falsch ist.

Der Artikel von Spiegel Online proviziert mehrere Blogbeiträge. Marcel Weiss von netzwertig.com behauptet, es gäbe keinen internetverursachten Information Overload. Zuviele Informationen wären schon in der Bibliothek von Alexandria vorhanden gewesen. Niemand stöhne, wenn er eine Bibliothek betritt, dass hier sooo viele Informationen verfügbar seien, dass sie/er nicht alle lesen könne. Das Internet sei eben verhältnismässig neu und wir hätten noch keinen Umgang mit dessen Informationsangeboten gefunden. Hier geht es zum Artikel. Und auf mtropf.de meint der Schreiber, eine Innovationsphobie entdeckt zu haben; Hier. Siehe auch die lebhafte Diskussion zu beiden Blogbeiträgen.

Und trotzdem: Das Tool sieht vielversprechend aus. Es wird wohl darum gehen, nützliche Einsatzmöglichkeiten zu erproben. Viele werden in Google Wave wahrscheinlich ertrinken, andere werden gelegentlich einen sinnvollen Umgang damit finden. Bis heute haben sich bereits über 1000 Personen an der Umfrage von Spiegel Online beteiligt: «Glauben Sie, das Multi-Werkzeug von Google hat Zukunft?» Beinahe die Hälfte bejaht dies und antwortet, sie würden Google Wave auf jeden Fall ausprobieren, sobald verfügbar. Aktuelles Ergebnis Hier. Von Innovationsphobie kann da wohl nicht die Rede sein.

Ob mit Google Wave oder ohne, mit einer Vielzahl von Online-Diensten oder ganz ausserhalb der virtuellen Medienwelt. Es stellen sich immer dieselben Grundfragen der Informationsgesellschaft, wie von Thomas Merz an einem kürzlich gehaltenen Referat gut nachvollziehbar dargelegt hat: Was ist wahr? – Was ist wichtig? – Was ist zu tun? – Was ist schön? – Was macht glücklich? (zum Online-Referat geht es Hier.)

Nachtrag vom 10.10.09:
Ich bin auf eine kuriose Seite gestossen: www.easiertounderstandthanwave.com. Besucherinnen und Besucher schlagen vor, womit Google Wave verglichen werden soll und was ihrer Meinung einfacher zu durchschauen sei: Google Wave und Sarah Palin oder Google Wave und Obama’s Nobelpreis. Techcrunch hat die Aufzeichnung übernommen und bietet Plattform für Kommentare. Zur erheiternden Auseinandersetzung mit der Nützlichkeit von Google Wave.

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  • Ok, sagen wir eine Innovationsphobie bei den deutschen Medien 😉 Aber ich erinnere mich auch noch gern an die Diskussionen rund um Second Life, da war’s ja ähnlich.

    Aber wir werden ja sehen, was in 10 Jahren bei all dem rausgekommen ist.

  • juergfraefel sagt:

    Genau. Second Life wurde zu *der* ultimativen virtuellen Zweitwelt hochstilisiert. Wer besucht diese heute schon regelmässig ausser einigen Nerds? Die Nutzung von Blogs sei abnehmend und Facebook würden auch schon einige den Rücken zuwenden. Wir werden sehen…

  • […] Wave in der New York Times gelesen (hier). Siehe auch mein Blogeintrag zum Thema vor einigen Tagen hier. Der Schreiber beklagt die Komplexität von Google Wave, dass ein 90-minütiges Video-Tutorial dazu […]