Medien- und ICT-Konzept: Die Lehrerschaft befindet

Kategorie: Schulen organisieren ICT | 2 Kommentare

Gut 100 Lehrerinnen und Lehrer aller Stufen versammeln sich an dieser pädagogischen Tagung in einer Zürcher Gemeinde. Eine Arbeitsgruppe mit Lehrpersonen aller Stufen hat während dem letzten halben Jahr einen gemeindeeigenen ICT-Pass entwickelt. Heute soll dieser den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt werden. Eine bedächtige Annäherung zum Auftakt des Erprobungsjahrs.

Die pädagogische Tagung wird von der Schulpflegepräsidentin eröffnet. Nebst wohlwollenden Worten für die Arbeitsgruppe, welche in den letzten Monaten intensiv am vorliegenden ICT-Pass gearbeitet hat, erinnert sie an die Legislaturziele der Behörde bezüglich ICT:

  1. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter wendet die zur Verfügung stehenden ICT Mittel kompetent an.
  2. Jede Schülerin und jeder Schüler beherrscht die in einem pädagogischen Medien- und ICT-Konzept beschriebenen Minimalstandards.
  3. Die Anwendung der ICT im Sinne des Konzepts wird durch eine geeignete Infrastruktur wirkungsvoll unterstützt.

Wir stünden vor einer riesigen Herausforderung, so der zuständige Schulpfleger in seiner Einleitung. Die Mediengesellschaft hätte «Digital Natives» hervorgebracht, welche viel über Medien und ICT wissen, diese jedoch nicht immer in jeder Beziehung kompetent anwenden würden. Seine Aussagen «belegt» er mit einem Videoclip aus Youtube. Er sei aus dem Jahr 2007, nicht mehr ganz aktuell, der Clip über «Digital Natives» und obendrein noch recht amerikanisch. Aber nicht weniger eindrücklich:

Es gelte, Aspekte der Technik und der Pädagogik zu berücksichtigen, so der engagierte Schulpfleger weiter. Wobei Fragen der Pädagogik die Richtung vorgeben: Mit dem ICT-Pass werden die Inhalte der Medienbildung beschrieben. Es sei umfassende Ausbildung für die Lehrpersonen vorgesehen, auf technischer und mediendidaktischer Ebene. Und die Schulzimmer werden mit entsprechender «Standard-Ausrüstung» ausgerüstet.  Ein «langer» Prozess sei die Integration, so der  Schulpfleger, und präsentiert einen mehrjährigen Zeitplan. Die ICT-Pässe für die einzelnen Schulstufen und die Grundidee des Konzepts beschreibt im Anschluss Thomas Stierli, Dozent für Medienbildung an der PH Zürich.

Es folgen die Workshops der Lehrpersonen in Stufengruppen der Unterstufe, Mittelstufe und der Sekundarstufe. Ziel des ICT-Passes sei, so der Stufenvertreter der Oberstufe, dass sie künftig keine Schülerin und keinen Schüler mehr in die Berufsausbildung abgeben müssten, welche bezüglich Medienkompetenz nicht befriedigende Voraussetzungen mitnehmen. Und sie würden Schüler/innen aus der Primarschule erhalten, welche bezüglich Medienbildung ähnlich vorbereitet seien. Der ICT-Pass und die dazugehörigen Erläuterungen für die Lehrpersonen scheint zu gefallen. Fragen ergeben sich bei den Lehrerinnen und Lehrern dann doch beim näheren Hinschauen:

  • In welche Fächer die Inhalte des ICT-Passes integrieren?
  • Sollen einzelne Themen wie z.B. die Informatikausbildung in einem Freifach für interessierte Schüler/innen angeboten werden?
  • Eignet sich für einzelne Medienthemen auch eine Projektwoche für alle Schüler/innen der Sekundarstufe?
  • Reicht eine reine Selbsteinschätzung oder sind vielleicht Prüfungsformen notwendig?
  • Sollen die erlangten Kompetenzen so dokumentiert werden, dass sie für die anstehende Berufswahl genutzt werden können?
  • Wie die Eltern einbeziehen? Ist eine Elternbildung zu Medien und ICT notwendig?

Kritisch und zugleich konstruktiv diskutierten die 25 Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe die gesammelten Fragen. Ein Lehrer gab zu bedenken, dass die Vorgaben zur Gestaltung des Unterrichts immer enger würden, jetzt auch noch Medienbildung. Bei allem Verständnis, aber so sei Unterrichten mit Tiefgang schwer möglich. Der moderierende Lehrer setzt zur Zusammenfassung an, als eine Lehrerin zu bedenken gibt: Wenn sie all die Ziele zu Medien und ICT erfüllen müsse, dann seien als zentrale Voraussetzung doch genügend Computer notwendig. Nicken allenthalben. Ein Steilpass für den Moderator zum Schlusswort: Jetzt, nach eineinhalb Stunden Diskussion um ein pädagogisches Anliegen, würde die erste Frage nach der Technik gestellt. Das zeige doch, dass die Anwesenden ein Bildungsanliegen vorweg aus pädagogischer Perspektive diskutieren würden. Und zum Bedarf an Technik: Dies sei selbstredend der Fall: die entsprechenden ICT-Mittel seien budgetiert. Klaro, da war doch das entsprechende Legislaturziel…

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  • Beat Rüedi sagt:

    Ich könnte jetzt schreiben, wie spannend das alles tönt – oder ich könnte darüber diskutieren, ob die Technik tatsächlich selbstredend sei (was ist Technik?) – auf jeden Fall hätten die 25 Lehrpersonen in diesen eineinhalb Stunden lernen können, ein Video Tutorial zu erstellen, um dieses gleich auch noch im Nachhinein unterteilen und kommentieren zu können – oder so. Ich meine diesen Kommentar ganz im Ernst.

    • juergfraefel sagt:

      Lieber Beat
      Danke für deinen Kommentar auf diesen Blogbeitrag. Ich persönlich finde Screencasts eine sehr spannende Sache. Diese können sehr effektive Lehr-/Lerninstrumente sein. Da pflichte ich dir bei. Ich bezweifle allerdings, ob deine Anmerkung etwas mit dem beschriebenen Weiterbildungsanlass zutun hat. Da hat eine Arbeitsgruppe von Lehrerinnen und Lehrern einen Vorschlag für eine schulhausinterne Vereinbarung ausgearbeitet, welche Ziele sie mit ICT auf den verschiedenen Stufen erreichen möchten. Und dieser Vorschlag soll in den Schulteams diskutiert werden. Spezifische Inhalte wie du beschreibst sind zu einem späteren Zeitpunkt dann auch noch vorgesehen. Vielleicht würde ich nicht grad mit Screencasts einsteigen.