Neue Konzepte zur Vermittlung von Filmkompetenz in der Lehrerbildung

Kategorie: Film, Medienbildung | Kein Kommentar

Neue Konzepte zur Vermittlung von Filmkompetenz in der Lehrerbildung, dies versprach ein Workshop innerhalb des diesjährigen GMK-Forums in Paderborn. Ines Müller (Film + Schule NRW) will mit den Anwesenden ihre Forderungen nach der Integration von Filmbildung in der Lehrerbildung diskutieren und Anne Haage, vom MCT Dortmund (Planet Schule WDR) präsentiert umfangreiches Material zur Filmbildung und zur schulische Arbeit am Dokumentarfilm.

Filmbildung müsse systematisch in der Schule stattfinden, «weil wir nur dort alle Kinder erreichen können», fordert der Workshop-Moderator Leo Hansen, Hans-Böckler-Berufskolleg, Marl. Denn das «Bild von Welt» werde visuell vermittelt, immer weniger über die Schrift. Deshalb müsse die Kompetenz zum Verstehen und Durchschauen von bild- und filmsprachlichen Mitteln gefördert werden. Zur Diskussion steht ein Entwurf eines Ausbildungskonzepts zur Filmbildung für Lehrpersonen

Filmbildung als Handlungsfeld für die Lehrerbildung
Als Aufhänger für ihr Plädoyer für Filmbildung in der Schule zitiert Ines Müller vom Amt «Film + Schule NRW», Münster  eine Aussage von Wim Wenders: «Natürlich kann man nicht von heute auf morgen ein Unterrichtsfach Film einrichten, selbstverständlich braucht es dafür ausgebildete Pädagogen und fundierte Herangehensweisen. Aber anfangen müssen wir! Es gilt, Grundausbildungen für Lehrer zu entwickeln, die weit über die noch üblichen Zusatzqualifikationen hinausgehen.» – Die Schulen würden angeleitet, ein eigenes Mediencurriculum zu entwickeln und die Filmbildung dort zu integrieren, so Ines Müller. Die Referentin plädiert dafür, dass eine systematische Filmbildung im Regelunterricht stattfinden müsse, eben nicht nur in den AG-Wahlangeboten am Nachmittag. Die nachfolgenden Filmbildungsstandards für die Lehrerbildung werden diskutiert:

a) Filmkompetenz
Die Lehrenden kennen die Inhalte von Filmbildung, sie sind in der Lage, eigene Filmprojekte durchzuführen, planen Unterricht fach- und sachgerecht und führen ihn fachlich und sachlich korrekt durch.

b) Filmpädagogische Kompetenz
Die Lehrenden kennen wesentliche Aspekte einer persönlichkeitsbildenden und subjektorientierten Filmdidaktik, nutzen die Verfahren von Filmbildung und wenden Methoden des selbstbestimmte und eigenverantworteten Lernens an. Sie motivieren Lernende und fördern ihre individuellen Fähigkeiten.

c) Filmtheoretische Kompetenz

Das Programm erscheint recht papierig und präsentiert sich inhaltlich ehrgeizig: Systematische Filmbildung soll in die Lehrerbildung implementiert werden. Wird das funktionieren in Anbetracht all der weiteren Forderungen an die Schule? In der Diskussion lege ich dar, dass «wir» in der Schweiz immer noch dem Ort stehen, die Medienbildung im Unterricht systematisch zu etablieren und über die didaktische Nutzung von digitalen Medien hinaus auch das Lernen über Medien (Medienbildung) zu integrieren. Da sei Filmbildung nur ein Aspekt von vielen. – Worauf die deutschen Kollegen aufzeigen, dass sie in Deutschland am selben Ort sind. Schön. Also tauschen wir weiter fröhlich Forderungen nach mehr Filmbildung  in der Schule aus.

 Audiovisuelle Materialien für die Filmbildung in der Schule
Anne Haage, vom MCT Dortmund (Planet Schule WDR) präsentiert in der Folge Materialien zur Filmbildung auf www.dokmal.de und auf  www.planet-schule.de für Lehrpersonen zur Verfügung stehen. Das Material ist umfangreich und bis ins Detail ausgearbeitet. Man findet eine umfassende Bibliothek von Lehrfilmen, witzig aufbereitet; weiter ganze Lektionenreihen, inklusive Arbeitsmaterialien für die Schüler/innen. Offenbar gibt es in Deutschland ausreichend Ressourcen, um Materialien zur schulischen Filmbildung zu entwickeln. Das sind ganz schön grosse Brötchen, die da gebacken werden, wie die Website mit einer Vielzahl von Weiterbildungen und Unterlagen für den Unterricht zeigt:

Hier wird erklärt, wie das Filmemachen funktioniert; beispielsweise eine anschauliche Anleitung, zum Vorgehen beim Entwickeln eines eigenen Films in fünf Schritten.
Beispiel: Filmische Einführung in die Einstellungsgrössen, witzig und schnell erzähl. Das übersichtliche Glossar zu Filmbegriffen für Anfänger überzeugt. Die Unterrichtsmaterialien zur Filmarbeit in der Schule bilden einumfassendes Angebot an Lektionsreihen, Schülermaterialien und Beispielfilmen. Ein Blick in einige Beispiele im Detail:
Das Interview
Einstellungsgrössen
Kameraperspektiven

Die Sammlung an Beispielen von Dokumentarfilmen, direkt im Internet abspielbar, bildet einen wertvollen Schatz. Die Qual der Wahl bleibt aber der Lehrperson überlassen. In einer separaten Sektion werden interaktive Visualisierungen angeboten, beispielsweise wie ein Kernkraftwerk funktioniert. Eine Literatursammlung und weitere Filmempfehlungen runden das Programm an.

Doch die umfangreiche Sammlung an Unterrichtsmaterialien in Ehren: Wo genau soll das Thema in der Schule platziert werden? Und erst noch in so umfassender Weise wie anhand der umfangreichen Materialien implizit gefordert. Die Forderungen scheinen mir bildungspolitisch nicht sehr realistisch zu sein. Moderator Leo Hansen schliesst denn auch den Workshop mit der recht allgemein gehaltenen Forderung: «Das Bild soll endlich mal in der Schule ankommen» – Gewünscht sei ein kritisch-reflexiver Blick auf das Bild.» – Das Material dazu ist vorhanden, allein die Zeit dafür im Unterricht fehlt. Und wahrscheinlich fehlt der Lehrperson bereits auch die Zeit dafür, um die umfangreiche Sammlung zu erkunden…

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