SFIB-Tagung «ICT-Konzepte ohne Verfallsdatum»

Kategorie: Schulen organisieren ICT | 1 Kommentar

Die SFIB begrüsste dieses Jahr mit einem kleinen Glas Konfitüre. Konfitüre hat ein Verfallsdatum – Ein Hinweis auf das Thema der diesjährigen SFIB-Tagung: «ICT-Konzepte ohne Verfallsdatum?» – Es gehe um die Frage, welche Elemente eines ICT-Konzepts «stabil» seien und welche der Entwicklung folgend immer wieder neu dazu kommen und auf ihre Nützlichkeit hin geprüft werden sollen.

Andreas Fellmann vergleicht die ICT-Konzeption anlässlich der Begrüssung mit einer Schale Früchte: Die Schale stelle die stabile Hülle des ICT-Konzepts dar. Die Früchte selbst könnten schlecht werden. Man müsse sie vor dem Herstellen von Konfitüre entfernen. So sei beispielsweise die «Frucht» «Second Life» definitiv verfault… Und es kämen immer wieder neue Früchte hinzu, welche auf ihre Nützlichkeit hin geprüft werden müssten; Cloud-Computing, digitale Lehrmittel, persönliche Schülergeräte, um nur einige zu nennen.

Thomas Merz weist du Beginn seiner Keynote auf die «hohe Dynamik» hin, welche er an Schulen und in den Bildungssystemen beobachtet. Umso wichtiger sei es, dass wir uns hier Zeit nehmen würden und grundsätzlich fragen: «Worum geht es?» Merz beginnt mit zwei Vorbemerkungen: «Medienbildung schliesst nicht einen Informatikunterricht ein», wie z.B. vehement von Jura Hromkovic gefordert (Verweis auf seinen Artikel in der Sonntags-Zeitung vom 19.8.12) Weiter: Lehrerinnen und Lehrer würden mit Erfahrungen als Lernende/r von gestern, mit einer Ausbildung von gestern, mit Lehrmitteln von gestern die Schülerinnen und Schüler auf ein Leben von morgen vorbereiten. Das sei eine denkbar schlechte Voraussetzung.

Die grundlegende «Herausforderung» wäre: Wir haben heute «alles überall sofort greifbar»: Unterhaltung, Wissen, Sexualität, Meinung, Informationen, Falschinformationen, Gesprächspartner… Um mit den damit verbundenen «Chancen und Risiken» umzugehen, würden entsprechende Kompetenzen benötigt. Es gehe darum, dass wir nicht alles, was uns unmittelbar zur Verfügung steht, auch nutzen zu müssen. Man müsse nicht nur über Medien etwas wissen, man müsse auch etwas «über das Leben» wissen», resp. können; beispielsweise über soziale Kontakte, das Kommunizieren etc. Denn «alles, was immer wir im Leben erreichen möchten», finde im Kontext von Medien statt.

In der Folge schildert Thomas Merz eine Reihe von Trends, mit welchen wir bezüglich Medien konfrontiert sind (siehe Präsentation). Unter anderem zeigt er auf, dass wir mit «selbständig denkenden» Computersystemen konfrontiert seien, «von denen wir nicht mehr wissen, wo sie genau stehen.» Merz weist hier zu recht darauf hin, dass eben doch eine gewisse «Informatikkompetenz» notwendig sei. – Kritische Frage: Weshalb schränkt er eingangs ein, dass zur Medienbildung nicht auch Informatikunterricht gehöre? Wo denn gehört Informatikunterricht hin? Wo werden beispielsweise Einsichten in die Funktionsweise von Algorithmen etc. unterrichtet? Ich finde in der Stundentafel keinen anderen Platz als in einem (notwendigen) Fach Medienbildung. – Schliesslich formuliert Merz grundlegende Thesen, z. B. Medienbildung muss «systematisch und differenziert» vermittelt werden. Dazu sei ein Gefäss in der Stundentafel notwendig, so Merz. Weitere Thesen siehe PDF der Präsentation.

Anschliessend verteilen sich die gegen 200 Teilnehmenden auf die verschiedenen Workshops. Die PDFs der Präsentationen finden sich hier. Wie nicht anders zu erwarten werden viele Referate zu Themen um Mobilgeräte, Clouddienste etc. angeboten.

Einigermassen bemerkenswert war die Präsentation der Lehrmittel-Plattform «Mille feuilles» zum neuen Französisch-Lehrmittel des Schulverlags Bern. Hier entsteht eine eigentliche Lehrmittel-Plattform, welche Vorbereitungsunterlagen für die Lehrpersonen enthält. In sogannten «Medien-Hotspots» können Unterlagen heruntergeladen werden. Dies werde nach dem ersten Betriebsjahr erfreulich genutzt. Praktisch ungenutzt sei jedoch die Möglichkeit, dass die Lehrpersonen eigene Materialien einstellen können. – Hätten wir dies anders erwartet? … – In der Folge erläutern die beiden Referenten, wie die Entwicklung im Moment praktisch vollständig von den Technologieanbietern diktiert würde. Man werde von diesen aufgefordert, die bestehenden Lehrmitteln in «Apps» etc. anzubieten, man müsse sich überlegen, bestehende Social Media-Angebote einzusetzen. Ein eigentlicher «Mehrwert» könne damit aber nicht wirklich generiert werden und die Nutzung sei unbefriedigend. Sie beobachten, dass bei den Lehrpersonen das notwendige IT-Wissen für deren Nutzung oft nicht vorhanden sei. Die Referenten rufen zur «Sachlichkeit» auf, der aktuelle «Mobilisierungs-Hype» verbreite wenig sachdienliche Hektik. – Wir erinnern uns ans eingangs geschilderte Bild der verdorbenen Früchte. Wir werden wohl in einigen Jahreen sehen, welche der Früchte als «ungeniessbar» entfernt werden müssen…

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  • Urs Ingold sagt:

    Danke für den anschaulichen Bericht von der Tagung. Die Frage, wohin Informatikunterricht gehört, wird sich auch mit dem neuen Lehrplan 21 wieder stellen. Immerhin heisst es dort „ICT und Medien“, was wohl explizite Informatikkenntnisse wie Programmierung mit einschliesst.
    Im Diktat der Gerätehersteller, alle digitalen Inhalte in Form von Apps zu publizieren, sehe ich als Hindernis an, wenn es darum geht, digitale Lehrmittel zu entwickeln, da ein bereits stark fragmentierter Markt sich noch in verschiedene Betriebssysteme und darin verschiedene Versionen aufsplittern muss, was die Kosten in die Höhe treibt.
    Dass im Schulbereich gerne genommen, aber nicht gegeben wird, haben schon andere Austauschbörsen erfahren müssen. Auch edu-ict (http://edu-ict.zh.ch) muss bezahlte BloggerInnen anstellen, um die als Web 2.0-Plattform konzipierte Site mit Inhalt zu füllen.