Strategie statt Euphorie

Kategorie: Organisationskommunikation | Kein Kommentar

Guido findet Blogs eine tolle Sache. Er hat einen für sich eingerichtet und schreibt des öfern hinein. Über kürzlich gesehene Filme, Konzertbesuche, neue Musikalben usw. Guido ist ICT-Verantwortlicher an einer Sekundarschule. Blogs wären doch auch eine tolle Sache für die Schule, meint er. Kurzentschlossen hat er einen Schulhaus-Blog eingerichtet, mit direktem Link von der Schulhaus-Website zum Blog. Das Internet lebt von der aktiven Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer, erklärt er den Lehrerinnen und Lehrern in der Pause. Eltern, Schülerinnen und Schüler sollen sich am Blog beteiligen, ihre Meinung über das Schulhaus-Konzert und über den Sporttag dort deponieren. Die Jugendlichen beteiligen sich am Blog, jedoch nicht in Guidos Sinn…

img_2157Obiges Beispiel scheint aus der Luft gegriffen zu sein, so naiv wird sich wohl niemand anstellen, oder? Im «Alpha» vom 2.5.09  zeigt Annette Kielholz im Leitartikel auf, wie fatal blinde Euphorie für interaktive Elemente einer Website sein kann. Was für Profitorganisationen gilt, trifft wohl ebenso auf eine Schule zu. Sie beschreibt knapp und prägnant die Merkmale der Online-Kommunikation, unter anderem, dass diese eben nicht kontrollierbar ist. Dass einmal Pulbliziertes im Internet meist nicht mehr zurückgenommen werden kann. Und im Krisenfall sind interaktive Elemente wie Blogs ein äusserst heikles Sprachrohr für Unzufriedene.

Die Empfehlungen von Kielholz in Kürze:
– Konzeption: Ziele, resp. gewünschten Einsatzzweck bestimmen.
– Dem Blog, Forum etc. ein klares Thema geben.
– Spielregeln bekannt geben, was publiziert und was gelöscht wird.
– Supportaufwand für die Pflege der Einträge einkalkulieren.
– Negativ-Potential im Fall einer Krise antizipieren.

Blogs können zweifelsohne an Schulen als Kommunikationsinstrument genutzt werden, als geschlossener Blog innerhalb des Schulteams und zur Kommunikation mit dem schulischen Umfeld – die Beachtung ober Grundsätze vorausgesetzt. Blogs sind jedoch nicht Tummelfeld von besonders aktiven ICT-Freaks, sondern sie sind Teil einer konzeptvollen Kommunikationsstrategie, angeführt von der Schulleitung. Dazu können die ICT-Verantwortlichen beratend beigezogen werden.

Zum Artikel im «Alpha» geht es hier.
Zur Website von Annette Kielholz geht es hier.
Siehe auch die Publikation von Annette Kielholz «Online-Kommunikation – Die Psychologie der neuen Medien für die Berufspraxis» (2008). Zum Überblick über den Inhalt mit diversen Downloads geht es hier.
Weiterer Buchtipp: «Web 2.o in derf Unternehmenspraxis» (2008) von Back, Gronau, Tochtermann. Zur Verlagsseite der Publikation geht es hier.

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