Weg der Integration in einer Wissensgesellschaft

Kategorie: Medienbildung, Mediengesellschaft | Kein Kommentar

In Katerstimmung nach dem fatalen Volksentscheid für die Minarettinitiative und damit auch gegen die Integration anderer Kulturen. Da kommt das Referat von Roger de Weck gerade rechtzeitig. Eigentlich haben De Weck zusammen mit Winfried Kroning und Gita Steiner-Khamsi ihre Referate bereits vor einer Woche gehalten, dies anlässlich der Podiumsdiskussion der Stiftung Pestalozzianum an der PH Zürich. Heute sind ihre Referate nun Online verfügbar.

deweckDe Weck richtet sich an die Lehrpersonen unter dem zahlreichen Publikum: «Mein Appell heute Abend an Sie als Vermittlerinnen und Vermittler von Wissen: Verweigern Sie sich bitte sämtlichen Gesetzen der anderen Wissenstransfer-Instanz in unserer Gesellschaft, nämlich der Mediengesellschaft (Lachen im Publikum) und den Medienbetrieben. Machen Sie es bitte nicht wie die Medien, denn Integration erfordert mündige Bürgerinnen und Bürger und der Medienbetrieb hat sich heute vollauf ausgerichtet auf Konsumentinnen und Konsumenten.» Die Medien würden sich mit Ausnahmen fast nicht mehr an die Bürgerinnen und Bürger wenden. Und das stelle die staatspolitische Aufgabe des Medienbetriebs in Frage.» – Das sind deutliche Worte des Journalisten de Weck.

De Weck moniert, das journalistische Prinzip sei in Frage gestellt: Ihre Kernaufgabe bestehe darin, Informationen zu suchen, zu überprüfen, einzuordnen und zu gewichten. Dies brauche Zeit und über diese würden Medien, die in Real-Time arbeiten, nicht mehr verfügen. Ganz anders in der Bildung, so De Weck: «Medienwelt ist Hektik, die Lernwelt ist Langsamkeit. So soll es bleiben.» Eine schnelle Integration gebe es deshalb eben auch nicht. Und wiederum ein Appell an Erziehende, nicht jede Mode mitzumachen, sondern bei dem zu bleiben, was kritische Eigenständigkeit vermitteln würde. Ausführlicher im Referat. Hier.

Die Ausführungen von De Weck sind gut nachvollziehbar. Nur die Argumentation, dass die Lernwelt eben «Langsamkeit» bedeute, diese kann von Lehrpersonen wohl nicht ohne weiteres nachvollzogen werden. Längst hat doch die «Hektik der Medienwelt», wie sie De Weck nennt, auch die Schule erfasst; siehe all die Strukturreformen, welche Volksschule und die Bildungswelt allgemein (PISA…) durchlebt.
Das Plädoyer De Wecks für eine Bildung, welche «kritische Eigenständigkeit»  für «mündige Bürgerinnen und Bürger»
vermitteln vermitteln soll, erinnert mich an das medienpädagogische Manifest unter dem Titel «Keine Bildung ohne Medien!» (PDF hier). Medienbildung ist Grundlage zur Erziehung von mündigen und selbstbestimmten Menschen, sie soll deshalb dauerhaft und strukturiert in allen Bildungsbereichen verankert werden. Nicht zuletzt kann Medienbildung Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Integration erleichtern und sie bei ihrer Identitätsentwicklung unterstützen.

«Es ist das Begegnen unterschiedlicher Denkweisen, was uns intelligent macht», so De Weck in seinem Referat. Und «begegnen» tun sich Jugendliche und Erwachsene heutzutage oft und meistens im medialen Raum. Insofern ist eine umfassende Medienkompetenz wohl Mittel zur Integration. Aber wie dies in der Schulpraxis aussehen soll, das steht auf einem anderen Blatt…

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