Heute treffe ich mich zum Austausch mit Zac Rothmann und Gary Rosborough vom Team Educational Media in «MedIT», einer Serviceabteilung der Faculty of Medicine. Ihr Youtube-Kanal ist prall gefüllt mit aufwändigen Videofilmen, einer umfangreichen Sammlung von Lernvideos, Animationsfilmen, Videos mit dokumentarischem Charakter. Geradelinig erzählte Dokus, oft stark rhythmisiert, witzig gestaltet mit szenischen Sequenzen und Parallelgeschichten, zeitgemässe Bildgestaltung mit wenig Schärfentiefe und dosierten Kamerafahrten (Drohne). Die Videofilme sind im Vergleich zu üblichen Lernfilmen meist sehr lang, zwischen 10 und 15 Minuten.

Film «Integrated Community Clerkships»

Diskussion über ihre Videoproduktionen, beispielsweise der Videoclip «Integrated Community Clerkships». Ein Plädoyer, als Student/in die Medizinausbildung in einem Spital in den wenig bevölkerten Gebieten im Norden von British Columbia zu absolvieren. Und sich am besten gleich dort niederzulassen. Die sehr persönliche gestaltete Einführung der Protagonisten fällt auf. Portrait einer jungen Studentin und Mutter, sporttreibende Studenten, Ärzte beim Segeln und Fischen. «Nach der Arbeit im Spital kann ich gleich zum Angeln gehen.» Aus Schweizer Perspektive ungewohnt für einen Lehrfilm im akademischen Umfeld. Ich fühle mich in den Film reingezogen, wunderschöne Bilder, viel Bewegung, zügig erzählt. Die Faszination für Arbeit und Leben im kanadischen Hinterland wird spür- und erlebbar.

Bei diesem Auftrag hätten sie ziemlich freie Hand gehabt, so Zac. Das Departement hatte ein Budget zur Acquise von Studierenden, welche ein Praktikum in einem der abgelegenen Spitäler in der Provinz absolvieren wollen. Das Geld wurde bislang meist für die Vergütung von Reisespesen der Studierenden verwendet. Mit bescheidenem Erfolg. – Daraus wuchs die Idee, die Provinzspitäler und vor allem die lehrenden Ärzte möglichst persönlich und greifbar vorzustellen. Die Studierenden sollen sich im besten Fall aufgrund des Films für die Teilnahme entscheiden, ohne aufwändige Reise dorthin. – Der Film würde regelmässig an Informationsveranstaltungen auf dem Campus gezeigt. Dazu ist er offen auf Youtube zugänglich wie praktisch alle ihrer Filmproduktionen.

Das Vertrauen der Kunden sei im Verlauf der Jahre gewachsen. Zac erinnert ich an Erstgespräche vor Jahren mit Departementsleitern der Faculty of Medicine: «We need a video!» war ihnen beschieden.  – Das kommt uns doch recht bekannt vor – Heute würden sie mit einem offenen Gespräch mit dem Kunden starten, ein Recherchegespräch zu dritt, mit dem Mediaproduzenten und einem Instructional Designer aus dem anderen Team.

Faculty Development

Wir kommen aufs Thema «Faculty Development» zu sprechen, ein Begriff, der im Gespräch oft fällt. Von Gary, Leiter der Abteilung «Educational Media» erfahre ich, dass sie Teil von «MedIT» sind, «nahe» an den einzelnen Fakultäten, im Gegensatz zu den UBC Studios, welche teils ähnliche Dienstleistungen anbieten, für alle Fakultäten der UBC. Zwei Ansätze eben, so Gary. Es sei für die Dozenten ausschlaggebend, nur wenige Schritte bis zu ihrem Studio tun zu müssen, anstatt ins zwei Kilometer entfernte UBC Studio zu gehen. In ihrer Entwicklung seien einen weiten Weg gegangen und in diesen Tagen würden sie einen weiteren Schritt hin zu einer erweiterten Aufgabe tun, dies werde auch am künftigen Namen sichtbar: «PRISM – Plattform for Reneval, Innovation and Scolarship in Medicine». Genauer erschliesst sich das neue Konzept noch nicht. Die Website gibt wenig preis, noch eher der Instagram– und der Twitter-Kanal. Auf letzterem ist der Name «PRISM» schon ersichtlich. Social Media scheint wichtiger zu sein als ihre Website oder die zweite Website. Wir wollen uns nochmals treffen, um mehr zu erfahren.

Film «The Lower Limb»

Abschliessend diskutieren wir den Film «The Lower Limb». Ein Lehrfilm über den menschlichen Bewegungsapparat. Der Film lebt von drei Elementen: Ein Arzt erläutert am menschlichen Exponat die Beinmuskeln, welche das aufrechte Gehen ermöglichen. Dazu Einblendung einer aufwändigen Animation, ein mechanisierter Bewegungsapparat veranschaulicht die Bewegung von Knochen, Muskeln und Sehnen. Und als rhythmisierendes Element dazwischen witzige Laufparaden einer Tanzgruppe in Gängen und auf Tischen. Die Studierenden müssten in den ersten vier Semestern viel trockenes Wissen zur menschlichen Anatomie reinbeigen. Der Lehrfilm sei Überblick und Auflockerung zugleich.

Wie genau der Film eingesetzt wird, erschliesst sich nicht so genau. Die «Instructional Designer» im anderen Team wüssten mehr. Wir vereinbaren ein Folgetreffen mit weiteren Teammitgliedern in einigen Wochen. Dann werde ich wohl auch erfahren, weshalb die Mediziner das kanadische LMS «Entrada» verwenden und nicht das kürzlich an der UBC eingeführte «Canvas». Ich soll doch Ende Woche beim «Digital Media CoP Meeting» in den UBC Studios vorbeischauen, meint Zac. Es würden sich gegen 20 Multimedia Producer treffen, alles Mitarbeitende verschiedener Fakultäten an der UBC. Ich nehme gerne an.