GMW-Jahrestagung 2014: Vor der Konferenz ist während der Konferenz

Kategorie: Mediendidaktik, Schulen organisieren ICT | 1 Kommentar

Die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft lädt vom 1. bis 4. September zur Jahrestagung 2014 zum Thema «Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken» an die PH Zürich ein. Die Begriffe «Lernen», «Räume» und «Gestaltung» sollen diskutiert werden. Raummetaphern haben im Bereich des (digitalen) Lernens eine lange Tradition, so der Einladungstext zum «Call of Papers». Es geht um die Gestaltung von physischen Lernräumen in der Hochschule und um virtuelle Lernräume mit digitalen Plattformen, um formelle, durch die Institutionen gestaltete Lernräume und ebenso um informell durch die Lernenden gestaltete und alles, was dazwischen liegt, «Zwischenräume» eben. Und es scheint, als ob sich bereits VOR dem «Lernraum Konferenz» ein weiterer Lernraum auftut, derjenige des «Flipped Classroom»-Konzepts.

Flipped Session
Kristina Lucius, Janna Spannagel und Christian Spannagel werden an der GMW-Tagung einen Beitrag zum Thema «Hörsaalspiele im Flipped Classroom» halten. Getreu dem «Flipped Learning»-Konzept, sind die Teilnehmenden dazu eingeladen, den Online-Vortrag zur Vorbereitung auf den Präsenz-Anlass zu studieren; dieser steht seit Mitte Juli auf Youtube bereit. Inspirierend, wie die Referenten ihren Vortrag ungekünstelt und locker halten. Die exemplarisch vorgestellten Hörsaalspiele in der Vorlesung «Mathematische Grundlagen» (Lehramt Grundschule an der Uni Heidelberg) lassen die Studierenden spielerisch das Kopfrechnen trainieren (ab Minute 12). Künftige Lehrpersonen müssten als «gutes Vorbild» selbst über genügend Kompetenz im Kopfrechnen haben, so die Referenten. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass die Teilnehmenden am Präsenzanlass an der GMW-Tagung exemplarische Kopfrechnungspiele gleich selbst erproben können. Zeit dazu dürfte ja sein, da alle Teilnehmenden vorgängig das Einführungsreferat auf Youtube genossen haben werden, so hoffen wir wenigstens …

Flipped Conference
Kostenbewusste Teilnehmer/innen werden ggf. annehmen, an der GMW-Konferenz gar nicht teilnehmen zu müssen, sie könnten alternativ den Tagungsband lesen, welcher seit Anfang August als PDF online zur Verfügung steht. Damit würde ihnen wohl aber der spannendste Teil abhanden kommen, die Diskussion der im Tagungsband vorgestellten Thesen – vorausgesetzt, man konnte die umfangreichen Texte vorgängig auch studieren…
Die GMW stellt den aktuellen Tagungsband seit der Jahrestagung 2012 jeweils vor der Tagung digital zur Verfügung. Beat Döbeli und Michael Hilscher werden in ihrer diesjährigen Session «Tagungsbände als Diskussionsräume?» einen Diskussionsraum für die Bearbeitung der Tagungsbeiträge anbieten. Im Sinne eines «proof of concept» wollen sie der Frage nachgehen, ob «…eine Kommentiermöglichkeit der Tagungsbeiträge im Vorfeld einer wissenschaftlichen Tagung eine Voraussetzung zur Nutzung der Präsenzzeit im Sinne einer flipped conference steigern könnte.» Siehe Tagungsband (PDF, Seite 272). – Man darf gespannt darauf sein, wie intensiv die Kommentiermöglichkeit vor der Tagung genutzt wird. Die Online-Version wird wohl demnächst zugänglich sein.

Flipped Keynote
Und schliesslich noch die Keynotes – auch als «Flipped» Format? Gudrun Bachmann und Sabina Brandt referieren an der ersten Keynote von Dienstag, 2.9. zum Thema «Auf dem Weg zum Campus von morgen». Eine Keynote ist ein Präsenzanlass, würde man meinen – Bachmann et al. haben vor wenigen Wochen die umfassende Publikation «Lernumgebungen an der Hochschule. Auf dem Weg zum Campus von morgen» bei Waxmann herausgegeben, verfügbar als PDF. Die beiden Referentinnen werden u.a. die Ergebnisse ihrer Studie, resp. die Thesen aus derPublikation präsentieren, nachzulesen im PDF ab Seite 41.

Moderne Lernumgebungen für den Campus von morgen
Das Projekt ITSI «IT-Service Integration in Studium und Lehre – Moderne Lernumgebungen für den Campus von morgen» ist ein von AAA/SWITCH gefördertes Projekt, welches zwischen 2011–2013 durchgeführt wurde. Die vorliegende Publikation eignet sich bestens zum Einlesen ins Tagungsthema. Ungeduldige Leser/innen führen sich zumindest das Poster mit den zentralen Erkenntnissen zu Gemüte, etwas weniger ungeduldige den Beitrag im Tagungsband der GMW-Tagung (PDF, Seite 15) . ITSI gliedert das Projekt entlang der Raummetaphern Lehrräume, Lernräume, Zwischenräume, Prüfungsräume und Spielräume (Bachmann et al, S. 23). Heutige Studierende seien «Lernwanderer». Durch die Bolognareform verdichtete Studienpläne und die gute digitale Vernetzung der Studierenden würden bewirken, dass Studierende heute mehr Zeit am Campus verbringen als früher (Bachmann et al, S. 44). Zentrale Erkenntnis des Projekts ITSI (und These zwei von sechs Thesen): Auf Lernwanderer ist die Universität nicht eingerichtet (Bachmann et al, S. 44). Den Studierenden soll das «Lernwandern» ermöglicht werden, d.h. Das Arbeiten in verschiedenen Konstellationen. Gleichzeitig soll ihnen der Campus aber auch einen Bezugsort bieten. Der Campus soll individuelles Lernen und «Lernen im Diskurs» räumlich ermöglichen und fördern. Lesenswert sind auch die zahlreichen Artikel, welche im Rahmen des Projekts entstanden sind, so derjenige von Tobias Jenert zur Lernkultur mit digitalen Medien: «Verändern Medien die Lernkultur? Mögliche Rollen von Technologie zwischen virtuellen und physischen Lernräumen»  (Bachmann et al, S. 159). Jenert analysiert den Einfluss der digitalen Medien auf die studentische Lernkultur. Er zeichnet dabei ein recht düsteres Bild und stellt fest, dass digitale Medien die studentische Lernkultur durchaus beeinflussen, aber häufig in einem Bereich, den die Mediendidaktik nicht im Fokus hat. Präsentations-Folien.

Anmeldefrist zur GMW-Tagung läuft
Döbeli und Hielscher gehen in ihrem Konferenzbeitrag (siehe oben) diesen beiden Fragen nach: «Sind alle Beteiligten bereit, den dazu nötigen Vorbereitungsaufwand (Tagungsband lesen) zu leisten?» und «Kannibalisiert eine solche Diskussionsmöglichkeit die Präsenztagung?» Wir sind gespannt, ob sich eine ebensolche Kannibalisierung beobachten lässt und in welcher Form sich diese allenfalls zeigt. Das Programm der GMW-Tagung bietet in dessen eine Fülle von Begegnungsräumen mit Fachpersonen aus Mediendidaktik, E-Learning und Hochschuldidaktik, sei dies im Rahmen der Workshops, in den Gängen, am EduCamp oder alternativ am zeitgleich durchgeführten Social Event, dem Literaturparcours durch die Stadt Zürich, und auch am Conference Dinner, den Apéros und diversen Kaffeepausen. Anmeldung hier.

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