Wieviel Gestaltungsfreiraum für die ICT-Struktur an Schulen?

Kategorie: Bildungsmanagement, Medienbildung, Schulentwicklung | Kein Kommentar

In diesen Wochen laufen gleich mehrere ICT-Evaluationen an verschiedenen Schulen. Wir treffen auf höchst engagierte und höchst beschäftigte ICT-Verantwortliche. Sie schaffen in ihren Schulhäusern Beachtliches. Ihr Aufgabenspektrum ist gross, sie sind im Schulhaus mal mit Kartons, mit Handbuch, Schraubenzieher und manchmal gar mit der Bohrmaschine anzutreffen. Und oft beobachten wir in ein- und derselben Schulgemeinde in jedem Schulhaus eine komplett andere Infrastruktur: Das eine Schulteam arbeitet mit je vier festinstallierten Computern in jedem Klassenzimmer, während im drei Kilometer entfernten Nachbarschulhaus strikte auf Notebookwagen gesetzt wird, um im wiederum anderen Unterstufen-Schulhaus ausschliesslich einen Computerraum anzutreffen.

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In meiner Ausbildung zum Organisationsberater lernte ich, dass Mitarbeitende einer «Professionellen Organisation» wie der Schule grösseren Gestaltungsfreiraum benötigen als solche einer Profitorganisation. Lehrerinnen und Lehrer gestalten ihren Unterricht mit viel Eigeninitiative und dazu benötigen sie einen gewissen Handlungspielraum. Doch trifft dies auch auf die Auswahl der Infrastruktur im beschriebenen Ausmass zu? – Ich bezweifle es. Es geht nicht in erster Linie darum, dass eine breit gefächerte Ausrüstung grundsätzlich höhere Kosten generiert. Das ist zwar oft der Fall, doch bleiben wir bei der pädagogischen Frage: Je nach Computerausrüstung wird wohl im Unterricht auch anders damit gearbeitet. Wenige Computer im Klassenzimmer machen eine indivdualisierte Arbeitsweise notwendig, vielleicht auch Projektarbeit etc. Notebooks im Klassenzimmer haben bestimmte Qualitäten: Sie können flexibel an den Arbeitsplätzen der Schüler eingesetzt werden, sie sind aber auch schnell im Kasten verstaut und vergessen.

Wenn sich Schulen darüber einigen sollen, mit welchen Zielen, Inhalten und Arbeitsweisen der Computer und andere Medien eingesetzt werden sollen, muss diese Diskussion im Team geführt werden. Schnell wird klar: Es geht nicht mehr um persönliche Präferenzen, sondern um pädagogische Kernfragen, wohin sich der Unterricht und die ganze Schule entwickeln soll. Vereinbarungen im Schulteam werden notwendig; minimale Verbindlichkeiten zum Unterrichten mit Medien und zum notwendigen Wissen über Medien. Damit werden Übertritte in die nachfolgende Stufe gewährleistet und eine minimale Medienbildung der Schüler ist eher möglich. Gestaltungsfreiraum bleibt dabei bestimmt noch genug.

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