Warmlaufen oder Hamsterrad

Kategorie: Medienbildung, Mediendidaktik, Mobil | 1 Kommentar

Die Sommerpause rückt näher, Zeit für einen Überblick bezüglich aktueller Entwicklungen im Bereich Medien und ICT in der Schule. Viele ermutigende Projekte scheinen in den letzten Monaten angestossen worden zu sein: Schulprojekte um die Nutzung von mobilen Medien spriessen allenthalben, vorab Schulversuche mit Mobilgeräten. Doch lässt sich damit eine breite und vertiefte ICT- und Medienintegration in die Schule anstossen? Laufen wir uns warm für die nächste Entwicklungsrunde oder bewegen wir uns im Hamsterrad?
Bild: softnation.de

Hier und dort experimentieren Schulen mit Klassensätzen von iPads, auf der erst kürzlich eingerichteten Facebook-Gruppe iPad@School diskutieren interessierte ICT-Verantwortliche Apps für die Schule, tauschen App-Listen aus, diskutieren über Software für den Deploy von iPad-Flotten und immer wieder Anlässe der nationalen Apple-Vertretung, speziell für ICT-Verantwortliche von Schulen. Apple ist es nicht «entgangen», dass iPad und iPhones etc. durchaus Potenzial fürs Schulzimmer bieten.

«Lern»-Software auf dem iPad – Alter Wein in neuen Schläuchen
Auf den nigelnagel neuen Schul-iPad wird wohl einige «Na-Ja»-Software installiert sein, denn das Angebot an didaktisch aufwändig gestalteten Apps ist nicht sehr gross. denn das Angebot an didaktisch aufwändig gestalteten Apps ist nicht sehr gross.
20110626-105113.jpg Und ausser dem iPad-App Multidingsda des Lehrmittelverlags des Kantons Zürich gibt es wahrscheinlich nicht mehr auf Lehrmittel abgestimmte Lernsoftware. Sonst dominiert eher dünnwandig pädagogisierte Software, deren Einsatz in der Schule Fragen aufwirft: Wo bleibt die Passung mit den sonstigen Lerninhalten und Lehrmitteln? Wollen wir unseren Schülerinnen und Schülern solch zweifelhafte «Lern»-Apps wie «I Hear Ewe» und andere Chilbi-Multimedia wirklich antun? Apps, welche ebenso gut auf dem iPad des jungen Vaters installiert sein können, um das Gerät dem quengelnden Sprössling auf dem Auto-Rücksitz zu reichen. Aber so war es doch schon damals vor 20 Jahren, als wir unsere Schüler mit «Toni Seetaucher» unterhielten, der kostenlosen «Lern»-CD, welche mit den ersten multimediatauglichen Macs ausgeliefert wurde…
Zur Präzisierung: Nebst ebensolchen Lerninhalten als App bieten iPad, iPhone & Co. selbstverständlich viele Einsatzmöglichkeiten im Unterricht zum Dokumentieren und Kommunizieren. Es wäre interessant zu erfahren, wer dies wie tut.

Kostengünstige Netbooks für die Schule
Neue Hardware belebt seit einiger Zeit die ICT-Integration in die Schule. So diskutierte man noch vor wenigen Jahren die adäquate Anzahl Computer im Schulzimmer. Heute ist dank wenigen hundert Franken teuren Netbooks die 1:1-Ausstattung im Schulzimmer ein realistisches Szenario. Mehr: Schulrelevante Computertypen.

Damit mag sich der Computereinsatz im Unterricht näher zur Nutzung als didaktisches Mittel hin bewegen. Es scheint, als ob medienbildnerische Themen damit etwas Gegenwind erhalten. Dazu kommt, dass zwar nach wie vor wichtige Themen wie Verhalten im Internet, Persönlichkeitsschutz und Sicherheit seit geraumer Zeit auf der Agenda stehen. Kinderschutz-Organisationen, Polizeidienste, Softwarefirmen und Telekommunikationsfirmen (Swisscom) bieten aus wohl unterschiedlicher Motivation Hilfestellungen an. Der Beratungsmarkt scheint gesättigt. Mehr: schaugenau.ch, security4kids.ch, fit4chat.ch, klicksafe.de u.v.m.

Das volle Programm
Des Weiteren scheint die Diskussion um die Ausrichtung der Medien- und ICT-Integration in eine neue Runde zu gehen: So kündigt die UNM-Tagung der PH Zürich das «Volle Programm» an, d.h. Themen um Medienbildung, Mediendidaktik und Informatik. Denn es ist wohl niemandem entgangen, dass der Schweiz Tausende von Informatikern fehlen, und dies hat durchaus auch etwas damit zu tun, wie und vor allem ob ICT in der Schule platziert wird.

«Herzblut-Projekte» UND systematische Konzeptarbeit
Gut, dass Medien und ICT in der Schule durch die beschriebenen Entwicklungen offenbar Schwung erhalten haben. Lassen wir uns aber davon nicht täuschen: Richtig intensiv wird das Thema vielerorts vor allem von ICT-Verantwortlichen und von Spezialisten diskutiert. Nicht wenige Lehrpersonen verharren immer noch im Nutzungsverhalten des letzten Jahrtausends, rund um Lernsoftware und Office, angereichert mit etwas Internet-Recherche. iPads und coole Cloud-Dienste etc. verändern den Unterricht nicht per se. Lasst die engagierten ICT-Verantwortlichen aber mit iPads experimentieren. Mobile Medien haben didaktisches Potential und solche «Herzblut-Projekte» halten wach.

Nur orientieren wir uns nicht an solch «leuchtenden» Beispielen: Jede Schülerin und jeder Schüler soll die Möglichkeit erhalten, sich in der Schule mit dem Potential und den Grenzen von Medien in seinem Leben auseinander zu setzen. Dazu ist eine systematische, flächendeckende Medienintegration notwendig, dies setzt fundierte Konzeptarbeit voraus, was die Evaluation der PH Zürich im Auftrag der Bildungsdirektion des Kantons Zürich aufgezeigt hat: Schulen mit einem (pädagogischen) Medien- und ICT-Konzept weisen ein weiter fortgeschrittenes Stadium der ICT-Integration auf. Download PDF der Expertise.
Die BD Kanton Zürich kündigt nun Hilfestellungen für die ein schulisches Medien- und ICT-Konzept an. Ein weiterer Schritt der Konkretisierung steht an.

 

 

 

 

 

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  • […] zurückversetzt, wo alles erlaubt war, was auf dem vorhandenen Betriebssystem lief. Siehe Blogbeitrag vom […]